Monte Palace Madeira – Tropischer Garten mit Kunst und Kameraglück
Wichtig für deine Ausflugsplanung: Monte Palace und der Botanische Garten von Madeira sind zwei verschiedene Anlagen. Der Jardim Botânico liegt auf dem Gelände der Quinta do Bom Sucesso und hat einen eigenen Eingang und Eintritt. Wenn du die berühmten roten Brücken, orientalischen Tore und den großen Wasserfall vor Augen hast, suchst du den Monte Palace.
Für Garten und Museum würde ich mehrere Stunden einplanen, mit ausgiebigen Fotopausen gern einen halben Tag. Wer hier nur kurz durchlaufen will, sollte seine Kamera besser zu Hause lassen. Die hält einen nämlich ständig auf.
Ich hatte meine dabei. Natürlich. Damit war der Tagesablauf eigentlich schon entschieden.
Öffnungszeiten
Tropischer Garten
April bis September
09:00–19:00 Uhr
letzter Einlass 18:15 Uhr
Oktober bis März
09:00–18:00 Uhr
letzter Einlass 17:15 Uhr
Museum
ganzjährig
09:00–17:30 Uhr
Am 25. Dezember ist die gesamte Anlage geschlossen
Das Innere des ehemaligen Hotelgebäudes ist nicht öffentlich zugänglich.
Anreise ohne Seilbahn
Linienbus Horários do Funchal
Linie 20, 21, 22 und 48.
Bus 20, 21 oder 48
Zugang über den Bereich Largo da Fonte, anschließend zu Fuß weiter.
Bus 22
Richtung Babosas, nahe der Seilbahnstation und dem dortigen Garteneingang.
Taxi oder TVDE
Als Ziel den gewünschten Monte-Palace-Eingang am Caminho das Babosas angeben.
Mietwagen
In der Umgebung sind Parkmöglichkeiten vorhanden
der offizielle Plan markiert mehrere Stellplatzbereiche
Eintrittspreise
Regulärer Eintritt
18 €
Kinder bis einschließlich 14 Jahre
kostenlos mit erwachsener Begleitung
Schulen
kostenlos nach Anmeldung und entsprechendem Nachweis
Garten und Museum sind im selben Eintritt enthalten
Onlinekauf
kein zusätzlicher Preisnachlass
Offizielle Kombitickets
laut FAQ derzeit keine
Einwohner Madeiras
kostenlos am 1. Juli, mit Wohnsitznachweis
Hinauf nach Monte – Kirche, Korbschlitten und ein Gartentor
Oben angekommen, lohnt sich ein Spaziergang durch den Ort. Über dem Largo da Fonte erhebt sich die Kirche Nossa Senhora do Monte. Im Inneren liegt der letzte österreichische Kaiser Karl I. begraben. Wie ein Kaiser aus Wien ausgerechnet auf Madeira seine letzte Ruhestätte fand, ist eine eigene Geschichte – und bekommt bei mir auch eine eigene Seite.
Unterhalb der Kirche geht es deutlich lebhafter zu. Dort starten die berühmten Korbschlitten. Zwei Männer übernehmen Lenkung und Bremse, während die Fahrgäste hoffentlich ihr Vertrauen mitgebracht haben.
Mein Ziel liegt diesmal ein Stück weiter am Weg: der Tropische Garten Monte Palace.
An der Kasse werde ich gefragt, woher ich komme. Mit meiner lokalen portugiesischen Steuernummer ist die Frage schnell erledigt. Die Besucherstatistik hätte ich trotzdem gern gesehen. Im Laufe des Tages höre ich die unterschiedlichsten Sprachen. Wie praktisch, dass ein gutes Bild auch ohne Übersetzungsprogramm funktioniert.
Erst ein Mango-Eis, dann die große Gartenkunst
Direkt hinter dem Eingang wartet außerdem ein Café. Ich sichere mir ein Mango-Eis als Proviant für die erste Wegstrecke. Eine vorausschauende Entscheidung – bis ich kurz darauf am Museum vorbeikomme.
Für meinen Besuch gefällt mir ein sonniger Tag besonders gut. Licht bringt Blätter, Blüten und Wasserspiele zum Leuchten, während die hohen Bäume an vielen Stellen angenehmen Schatten spenden. Eine ausgesprochen vernünftige Arbeitsteilung: Die Sonne kümmert sich um meine Fotos, die Bäume um meine Betriebstemperatur.
Pflanzen im Monte Palace: eine Weltreise zwischen Blättern und Blüten
Zur Sammlung gehören unter anderem Kamelien, Azaleen, Strelitzien, Klivien und Bambus. Große Bäume bilden das grüne Dach über vielen Wegen; darunter wechseln sich dichte Blattkulissen mit offenen Blickachsen und farbigen Akzenten ab. Nicht alles blüht gleichzeitig. Dafür ändern sich die Hauptdarsteller im Laufe des Jahres.
Bei meinem Besuch im Oktober bringen mich besonders die kleinen Formen zum Stehenbleiben: kräftiges Gelb, leuchtendes Rot und weißrosa gezeichnete Blüten. Aus der Entfernung ist das ein Farbtupfer. Durch die Kamera werden daraus feine Linien, Oberflächen und erstaunlich sorgfältig gefaltete Naturkunstwerke.
Besonders bemerkenswert ist die Sammlung afrikanischer Palmfarne der Gattung Encephalartos. Trotz ihres Namens sind Palmfarne weder Palmen noch Farne, sondern gehören zu den Nacktsamern. Ihre urtümliche Erscheinung hat ihnen die Bezeichnung „lebende Fossilien“ eingebracht.
Ein eigener Gartenbereich widmet sich der Laurissilva, dem für Madeira typischen Lorbeerwald. So begegnen sich hier exotische Gewächse und Pflanzen der Insel. Wer anschließend auf Madeiras Wanderwegen unterwegs ist, hat vielleicht schon die ersten grünen Bekanntschaften geschlossen.
Mein Spaziergang entwickelt sich entsprechend: ein paar Schritte vorwärts, stehen bleiben, Kamera hoch, wieder zurück. Botanisch und fotografisch sehr ergiebig. Sportlich schwer auszuwerten.
Vom Monte Palace Hotel zum Tropischen Garten
Im 18. Jahrhundert richtete der englische Konsul Charles Murray hier einen Landsitz ein, die Quinta do Prazer. 1897 kaufte Alfredo Guilherme Rodrigues das Anwesen und ließ ein repräsentatives Haus errichten, inspiriert von den Schlössern am Rhein. Daraus wurde das Monte Palace Hotel, das 1904 eröffnete.
Ein bisschen Rheinromantik mit Atlantikblick also. Ich kann verstehen, dass das seinerzeit Gäste anzog.
Nach Rodrigues’ Tod 1943 endete der Hotelbetrieb. 1987 erwarb José Berardo die Besitzung und begann mit ihrer Umgestaltung. Seit 1991 ist der Tropische Garten öffentlich zugänglich.
Die Innenräume des ehemaligen Hotels können nicht besichtigt werden. Das zugängliche Museum befindet sich in einem eigenen Gebäude. Für den Gartenbesuch bleibt der frühere Palast deshalb vor allem ein architektonischer Blickfang – und ein ausgesprochen geduldiges Fotomotiv.
Das Tor mit der Aufschrift „Grande Hotel Belmonte“, an dem ich unterwegs vorbeigekommen bin, gehört übrigens zur benachbarten historischen Hotelanlage. Bei den vielen herrschaftlichen Häusern kann man schon einmal beim falschen ehemaligen Empfang landen.
Die geflügelte Sphinx in der Nähe wirkt dagegen, als würde sie ihre Geheimnisse lieber für sich behalten. Für mich reicht zunächst, dass sie ausgesprochen geduldig Modell steht.
Japanische Brücken, chinesische Wächter und mein Hang zur Symmetrie
Hier verbinden sich chinesische und japanische Gestaltungselemente. Wer bei jedem Bauwerk sofort das richtige Herkunftsland bestimmen kann, hat mir einiges voraus. Ich bin zunächst damit beschäftigt, die Kamera gerade zu halten.
Meine Begleitung kennt das inzwischen.
Das Tor mit den steinernen Wächtern ist ein schöner Rahmen für Paarfotos. Bei uns muss mein Model allein darin stehen, weil irgendjemand schließlich fotografieren muss. Den Wächterfiguren wird eine Schutzfunktion zugeschrieben. Ob sie auch bei der Partnervermittlung helfen, konnte ich bislang nicht überprüfen.
Die bunt bemalten Kriegerfiguren fügen sich ebenfalls in diese Gartenwelt ein. Eine kleine Armee zwischen Pflanzen und Teichen – bei der ich erfreulicherweise keinerlei Marschbefehl befolgen muss.
Die Japan-Wand: Geschichte auf 166 Keramiktafeln
Die monumentale Wand umfasst nach Angaben des Gartens 166 Keramiktafeln. Der argentinische Künstler Alberto Cedrón gestaltete die 1993 fertiggestellte Arbeit.
Im selben Jahr wurde der 450. Jahrestag der Ankunft portugiesischer Händler in Japan gefeiert. Die ersten Kontakte werden auf 1543 datiert, als Portugiesen die Insel Tanegashima erreichten. Aus diesen Begegnungen entwickelten sich Handelsbeziehungen und ein kultureller Austausch zwischen weit entfernten Welten.
Auf der Wand werden daraus Schiffe, Menschen, Begegnungen und Konflikte. Die Bildtafeln erzählen ihre Geschichten mit kräftigen Farben und portugiesischen Erläuterungen. Eine meiner Detailaufnahmen behandelt beispielsweise die Ausweisung christlicher Missionare aus Japan im Jahr 1614. Hinter der hübschen Gartenkulisse steckt also auch Geschichte mit erheblichen Spannungen.
Mich reizt hier der Wechsel zwischen dem großen Ganzen und den Einzelheiten: erst die lange Bilderwand mit Dach, Bambus und Steinlaterne, dann eine einzelne Szene. Wer nur das Übersichtsbild mitnimmt, übersieht leicht, wie viel auf den kleinen Tafeln passiert.
Bei portugiesischen Texten brauche ich gelegentlich etwas länger. Glücklicherweise laufen die dargestellten Personen währenddessen nicht aus dem Bild.
Azulejos im Garten: Portugal zwischen Pflanzen und Kunst
Eine eigene Folge von 40 Bildtafeln erzählt die Geschichte Portugals, von der Monarchie bis zu den Republiken. Sie ist von der Japan-Wand zu unterscheiden.
Damit wird aus dem Garten nebenbei ein Geschichtsbuch unter freiem Himmel. Statt Papier raschelt hier das Laub, und die Seiten sind erfreulich wetterfest.
Als Fotograf mag ich besonders, wie sich die bemalten Oberflächen zwischen das Grün schieben. Mal dominiert ein großes Bild, mal entdecke ich nur ein Detail zwischen Blättern und steinernen Ornamenten. Manchmal muss ich mich regelrecht daran erinnern, auch den Weg vor meinen Füßen anzuschauen.
Wasserfälle, Koi und eine Ananas zur rechten Zeit
Natürlich versuche auch ich, den Wasserfall passend einzufangen. Allerdings macht das Wasser wenig Anstalten, für mich kurz stillzuhalten. Die Sphinx war kooperativer.
In den Teichen ziehen farbige Koi ihre Bahnen, auf dem See sind Schwäne unterwegs. An anderen Stellen führen runde Trittsteine über das Wasser. Auch dort ergibt sich eine schöne fotografische Aufgabe: Formen ordnen, Spiegelungen beobachten und nach Möglichkeit alle Beteiligten trocken behalten.
Zwischendurch öffnen sich Ausblicke über Funchal bis zum Atlantik. Gerade diese Verbindung aus dichtem Gartengrün und weiter Stadtlandschaft gefällt mir. Nach all den Details darf sich der Blick wieder einmal ausstrecken.
Wenn der Ananasstand am See geöffnet ist, lässt sich der tropische Eindruck auch geschmacklich vertiefen. Eine ausgehöhlte Ananas mit Getränk sieht außerdem deutlich urlaubstauglicher aus als meine Wasserflasche.
Musik gehört ebenfalls zum Garten: Bei „Music at the Monte“ treten Künstler aus Madeira auf. Meine Kamera beherrscht zwar auch einen Ton, aber ihr Auslösegeräusch hat musikalisch eher begrenztes Potenzial.
Das Monte Palace Museum: große Kunst und die blaue Welt der Mineralien
Die 2024 eröffnete Ausstellung „O Mundo começa aqui!“ – „Die Welt beginnt hier!“ brachte moderne und zeitgenössische Kunst auf die beiden oberen Museumsetagen. Sie umfasst Malerei, Fotografie, Zeichnung, Video, Skulpturen und Installationen.
Nach den detailreichen Gartenmotiven gefallen mir die großen Flächen und ungewöhnlichen Formen. Wieder eine Gelegenheit, die Kamera sorgfältig auszurichten. Meine Symmetriebegeisterung hat also auch nach dem Gartenrundgang noch nicht Feierabend.
Und dann dieses große, rote, rotierende Herz.
Joana Vasconcelos’ „Coração Independente Vermelho“ greift die Form des portugiesischen Filigranherzens von Viana auf. Als Material dient Plastikbesteck; dazu erklingt Fado von Amália Rodrigues. Manchmal braucht es offenbar nur die richtige Idee, damit gewöhnliches Besteck eine beeindruckende Karriere macht.
Eine andere Welt wartet in der Mineralienausstellung im unteren Geschoss. Der intensiv blaue Raum und die gezielte Beleuchtung lassen Kristalle, Gesteinsformationen und versteinertes Holz besonders wirkungsvoll hervortreten. Rund 700 Exponate aus verschiedenen Ländern zeigen eine erstaunliche Vielfalt an Formen und Farben.
Bei manchen Stücken muss ich genauer hinschauen, um zu begreifen, dass so etwas ohne menschlichen Gestaltungswillen entstanden ist. Die Natur hat offensichtlich auch ein ziemlich ordentliches Portfolio.
Flamingos und die Sache mit dem Fitnessstudio
Während ich mich für ein Foto mit beiden Füßen auf dem Boden ausbalanciere, stehen die einfach auf einem Bein herum. Gelegentlich wird dabei sogar geschlafen. Ich brauche dafür normalerweise ein Bett.
Das bringt meine Überlegungen zu einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio erneut durcheinander. Diese Tiere wirken schließlich nicht, als hätten sie gerade ein umfangreiches Beintraining hinter sich.
Für meine eigenen Bewegungspläne hat Madeira ohnehin genug Levadas. Das zusätzliche Gewicht liefert der Kamerarucksack. Und wenn ich unterwegs öfter stehen bleibe, liegt das selbstverständlich an der fotografischen Sorgfalt.
Die Flamingos eignen sich außerdem hervorragend als Hintergrund für ein Erinnerungsfoto mit menschlichem Model. Vorausgesetzt, es ist ein passender Begleiter mit Kamera dabei. In diesem Punkt konnte ich mich nützlich machen.
Am Ende meines Besuchs im Monte Palace nehme ich eine gut gefüllte Speicherkarte, neue Pflanzeneindrücke und einige Geschichten mit nach Hause. Manche Wege würde ich sofort noch einmal gehen, weil das Licht inzwischen anders fällt.
Nur eine Frage bleibt offen: Wie schafft es ein Flamingo, auf einem Bein so entspannt auszusehen, während ich schon beim Objektivwechsel ins Wanken gerate?
Madeira Palace
Jardim Tropical
Madeira mit eigenen Augen erleben
Um individuell passende Hotels, Pauschalreisen, Flüge, Golfreisen und Mietwagen rund um Madeira anbieten zu können, nutze ich das Buchungssystem meines Partners Travianet – eines renommierten deutschen Reisebüros, das wie ich auch seit 1998 im Tourismus aktiv ist. Das erfahrene und geschulte Serviceteam ist an 365 Tagen im Jahr erreichbar und bietet Reiseangebote von mehr als 120 namhaften Veranstaltern, Reedereien und weiteren Reiseanbietern. So verbinden sich meine persönliche Madeira-Erfahrung, eine umfassende Reiseauswahl und professionelle Buchungsbetreuung.
Jede Buchung trägt zur Entstehung weiterer unabhängiger Fotoreportagen über Madeira bei und bedeutet zugleich eine wertvolle Anerkennung meiner Arbeit.
Dafür danke ich von Herzen ❤️
Fotograf auf Madeira und Herausgeber
Stefan Kapust
www.madeira.photo
