Desertas Archipel - vorgelagerte Inseln - Naturschutzgebiet
Der Desertas-Archipel liegt südöstlich der Hauptinsel Madeira im offenen Atlantik und gehört zu den abgelegensten und zugleich sensibelsten Naturräumen der gesamten Region. Die Inselgruppe besteht aus drei langgestreckten, unbewohnten Inseln mit steilen Felsküsten, karger Vegetation und kaum zugänglichen Uferzonen. Gerade diese Abgeschiedenheit hat dazu geführt, dass sich hier eines der letzten stabilen Refugien für eine der seltensten Robbenarten der Welt erhalten konnte. Für viele Besucher steht der Name Desertas heute sinnbildlich für unberührte Natur, strengen Artenschutz und eine Seite Madeiras, die sich bewusst dem Massentourismus entzieht.
Besondere internationale Bedeutung erlangte der Desertas-Archipel als wichtigster Lebensraum der Mittelmeer-Mönchsrobbe im Atlantikraum. Diese Robbenart, die früher auch an den Küsten Madeiras und in Buchten wie Câmara de Lobos verbreitet war, fand auf den Desertas-Inseln einen letzten Rückzugsort. Die steilen Klippen, schwer zugänglichen Grotten und ruhigen Gewässer bieten ideale Bedingungen für die Tiere, um sich zurückzuziehen, zu ruhen und ihre Jungen aufzuziehen. Durch konsequente Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand hier über Jahrzehnte hinweg stabilisieren und gilt heute als eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte Portugals. Die Gewässer rund um den Archipel sind streng reguliert, um Störungen der Tiere zu vermeiden.
Während des Aufenthalts auf Deserta Grande erhalten Besucher häufig Einblicke in die Arbeit des Naturschutzes. Informationstafeln und begleitende Erläuterungen machen deutlich, warum der Archipel unter strengem Schutz steht und welche Rolle er für den Erhalt bedrohter Arten spielt. Neben den Mönchsrobben sind die Inseln ein wichtiger Brutplatz für zahlreiche Seevögel, die in den Felswänden und auf den Hochflächen nisten. Diese Vogelkolonien tragen wesentlich zur ökologischen Bedeutung des Archipels bei und machen ihn zu einem wichtigen Schutzgebiet im Atlantik.
Der Zugang für Touristen ist entsprechend stark eingeschränkt. Besucher dürfen ausschließlich die kleine Insel Deserta Grande betreten und auch dort nur einen klar definierten Bereich nutzen. Ein kurzer Rundgang auf markierten Wegen ermöglicht es, die besondere Landschaft zu erleben, ohne das empfindliche Ökosystem zu beeinträchtigen. Dieser kontrollierte Besuch vermittelt eindrucksvoll, wie rau, trocken und ursprünglich diese Inselwelt ist. Die kargen Hänge, der helle Fels und das allgegenwärtige Rauschen des Atlantiks schaffen eine Atmosphäre, die sich deutlich von der üppig grünen Hauptinsel Madeira unterscheidet.
Die landschaftliche Wirkung der Desertas ist geprägt von Gegensätzen. Auf den ersten Blick wirken die Inseln nahezu lebensfeindlich, doch gerade diese scheinbare Kargheit ist Teil eines fein abgestimmten Ökosystems. Endemische Pflanzenarten haben sich an die extremen Bedingungen angepasst und wachsen in Felsspalten, auf windgepeitschten Plateaus und in geschützten Mulden. Die klare Luft und die offene Lage bieten beeindruckende Ausblicke auf das Meer und bei guter Sicht auf Madeira selbst, das aus der Ferne fast üppig wirkt im Vergleich zur rauen Schönheit der Desertas.
Für Touristen ist ein Ausflug zum Desertas-Archipel kein klassisches Freizeitvergnügen, sondern ein bewusstes Naturerlebnis. Die begrenzte Zugänglichkeit, die kurzen Aufenthaltszeiten und die strengen Regeln unterstreichen den besonderen Charakter dieses Ortes. Wer die Desertas besucht, erlebt Madeira von einer stillen, ursprünglichen Seite und gewinnt ein tieferes Verständnis für den Wert von Naturschutz und nachhaltigem Tourismus. Der Archipel steht exemplarisch dafür, wie sensibler Umgang mit Natur dazu beitragen kann, bedrohte Arten wie die Mönchsrobbe dauerhaft zu schützen und gleichzeitig ausgewählte Einblicke für interessierte Besucher zu ermöglichen.
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