Poncha auf Madeira – das gesündeste Missverständnis der Insel
Ich liebe Poncha. Dieses allgegenwärtige madeirensische Getränk besteht schließlich aus frisch gepressten Zitrusfrüchten, Honig und einem Erzeugnis aus heimischem Zuckerrohr. Viel natürlicher kann ein Getränk kaum klingen. Dass dieses Zuckerrohrerzeugnis einen beachtlichen Alkoholgehalt besitzt, ist vermutlich nur eine jener unbedeutenden Einzelheiten, mit denen man sich die schönste Ernährungslehre unnötig kompliziert.
Als Fotograf auf Madeira begegnet mir Poncha beinahe überall: in kleinen Bars, auf Dorffesten, während der Weihnachtszeit, beim Karneval und natürlich rund um das Blumenfest. Sie gehört zu Madeira wie die Levadas, das Meer und die steilen Straßen, nach deren Bewältigung ein kräftigendes Getränk ohnehin vollkommen gerechtfertigt erscheint.
Ob Poncha erklärt, warum die Madeirenser so gesund, lebensfroh und feierfreudig wirken, konnte wissenschaftlich bislang wohl nicht abschließend geklärt werden. Vermutlich tragen das Klima, viel Bewegung, frischer Fisch, soziale Nähe und die Gelassenheit der Insel ebenfalls einen gewissen Anteil dazu bei. Der Poncha ist aber deutlich fotogener als eine medizinische Studie.
Wer hat den Poncha erfunden?
Eine einzelne geniale Person lässt sich heute leider nicht mehr benennen. Die Geschichte der Poncha führt bis ins 18. Jahrhundert zurück. Als Vorläufer gilt die sogenannte „Panche“, die von Engländern aus Indien mitgebracht und auf Madeira an die vorhandenen Zutaten angepasst wurde.
Als Geburtsort des madeirensischen Poncha gilt das Fischerdorf Câmara de Lobos. Dort sollte das kräftige Getränk die Fischer während langer und kalter Nächte auf dem Atlantik wärmen. Diese ursprüngliche Form wird deshalb Poncha à Pescador genannt.
Die Idee war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Madeira besaß Zuckerrohr, daraus gewonnenen Rum, frische Zitrusfrüchte und Menschen, die nach einer Nacht auf See etwas Wärme gebrauchen konnten. Aus dieser Verbindung entstand das bekanntesten Volksgetränk der Insel.
Woraus besteht ein Poncha?
Die Grundlage bildet Aguardente de Cana. Dabei handelt es sich um den kräftigen, aus frischem Zuckerrohrsaft destillierten Rum da Madeira, der auf der Insel umgangssprachlich weiterhin häufig Zuckerrohrschnaps genannt wird.
Hinzu kommen frisch gepresster Zitronensaft, je nach Variante Orangensaft, Mandarine oder eine andere Frucht - zum Beispiel die Passionsfrucht Maracuja - sowie Zucker oder Bienenhonig. Die Zutaten werden mit einem traditionellen hölzernen Rührstab vermischt. Er heißt offiziell auch Mexelhote, ist auf Madeira jedoch besonders unter seinem volkstümlichen Namen Caralhinho bekannt.
Durch das schnelle Drehen des Holzstabes zwischen den Handflächen lösen sich Honig und Fruchtsaft, während sich an der Oberfläche ein leichter Schaum bildet. Dieses rhythmische Geräusch gehört für mich ebenso zur Poncha wie ihr Duft nach frischen Zitrusfrüchten.
Macht Poncha wirklich schöner?
Beim Blumenfest und beim Karneval auf Madeira fotografiere ich mit Vorliebe einige der schönsten Tänzerinnen der Insel. Ob sie nach einer Poncha noch schöner werden, lässt sich schwer beurteilen – da das Getränk dafür gar nicht nötig ist.
Möglicherweise erscheint mir als Fotografen nach einem Glas nur das Licht noch etwas wärmer und das Lächeln noch strahlender. Nach dem zweiten Glas beginnt der Bildstabilisator, eine zunehmend verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Spätestens dann sollte die weitere wissenschaftliche Untersuchung besser auf einen Zeitpunkt nach der Parade verschoben werden. 😉
Poncha wird bei den Festen Madeiras gerne in geselliger Runde getrunken. Dabei entstehen Gespräche, Bekanntschaften und jene ausgelassene Stimmung, die den Karneval, das Blumenfest und viele kleinere Arraiais so besonders macht. Darin liegt vermutlich ihre tatsächlich gesundheitsfördernde Wirkung: Poncha bringt Menschen zusammen. Der enthaltene Alkohol bleibt trotzdem Alkohol und sollte mit entsprechendem Respekt behandelt werden.
Poncha à Pescador oder fruchtige Varianten?
Der ursprüngliche Poncha à Pescador ist kräftig, unmittelbar und deutlich vom Zuckerrohrdestillat geprägt. Daneben findet sich auf Madeira eine kaum überschaubare Auswahl fruchtiger Varianten.
Besonders verbreitet sind Poncha Regional mit Zitrone und Orange sowie Poncha mit Mandarine, Maracuja, Passionsfrucht oder Limette. Einige Bars entwickeln eigene Mischungen, deren genaue Zusammensetzung mit ähnlicher Sorgfalt gehütet wird wie ein Familiengeheimnis.
Ein guter Poncha wird frisch zubereitet. Fertige Mischungen aus Flaschen können praktisch sein, erreichen jedoch selten das Aroma eines Poncha, bei dem die Früchte unmittelbar vor dem Servieren ausgepresst werden.
Zubereitung im Tosca Principal in Funchal
Die Zubereitung auf meinen Fotos und im Video habe ich im Tas’ca Principal in der Altstadt von Funchal aufgenommen. Hier lässt sich gut beobachten, wie zunächst der Honig mit dem Zitronensaft vermischt und mit dem Caralhinho schaumig gerührt wird. Anschließend kommen Aguardente de Cana und der frisch gepresste Orangensaft hinzu.
Gerade dieser handwerkliche Vorgang macht den Poncha für mich fotografisch interessant. Wenige Zutaten, kräftige Bewegungen, das warme Gelb der Früchte und ein Werkzeug, dessen Form unverkennbar zur madeirensischen Alltagskultur gehört.
Gerade dieser handwerkliche Vorgang macht den Poncha für mich fotografisch interessant. Wenige Zutaten, kräftige Bewegungen, das warme Gelb der Früchte und ein Werkzeug, dessen Form unverkennbar zur madeirensischen Alltagskultur gehört.
Der Holzstab besteht in der Regel aus robustem, unbehandeltem Hartholz und besitzt am unteren Ende mehrere ringförmige Verdickungen oder Einkerbungen. Diese Struktur ermöglicht es, den Honig zu lösen, die Zitrusfrüchte sanft zu pressen und gleichzeitig eine leichte Verwirbelung der Flüssigkeit zu erzeugen. Anders als beim Schütteln bleibt die Textur der Poncha dadurch geschmeidig, während sich Süße, Säure und Alkohol gleichmäßig verteilen. Besonders der Honig, der sich in kalten Flüssigkeiten nur langsam auflöst, verbindet sich durch diese Technik vollständig mit dem Zuckerrohrschnaps und dem Fruchtsaft.
Poncha sollte immer frisch zubereitet werden mit frischen Zutaten, wie hier im "Tas'ca Principal" in der Altstadt von Funchal
In der traditionellen Zubereitung wird der Holzstab in einem kräftigen, rhythmischen Bewegungsablauf verwendet, der fast schon rituellen Charakter hat. In vielen Poncha-Bars gehört dieser Vorgang fest zum Erlebnis dazu und wird oft direkt vor den Augen der Gäste zelebriert. Der Klang des Stabes im Glas oder im Krug, kombiniert mit dem intensiven Duft der frischen Zitrusfrüchte, ist für viele Besucher ein fester Bestandteil ihrer ersten Begegnung mit Poncha auf Madeira.
Neben seiner funktionalen Bedeutung hat der Caralhinho auch einen hohen symbolischen Wert. Er steht für handwerkliche Tradition, Einfachheit und die enge Verbindung zur lokalen Kultur. Aus diesem Grund wird der Holzstab heute häufig als Souvenir angeboten. In vielen Geschäften und auf Märkten finden sich sowohl schlichte, klassische Ausführungen als auch kunstvoll verzierte Varianten mit eingravierten Motiven, Schriftzügen oder Inselbezug. Für Reisende ist er ein beliebtes Andenken, da er nicht nur dekorativ ist, sondern auch zu Hause tatsächlich genutzt werden kann.
Der Holzstab verkörpert damit auf besondere Weise den Geist der Poncha selbst: bodenständig, authentisch und tief in der Geschichte Madeiras verwurzelt. Wer ihn als Souvenir mitnimmt, nimmt nicht nur ein Küchenutensil mit nach Hause, sondern ein Stück gelebter Inselkultur, das bei jeder selbst gemischten Poncha an die Atmosphäre Madeiras erinnert.
Der Holzstab verkörpert damit auf besondere Weise den Geist der Poncha selbst: bodenständig, authentisch und tief in der Geschichte Madeiras verwurzelt. Wer ihn als Souvenir mitnimmt, nimmt nicht nur ein Küchenutensil mit nach Hause, sondern ein Stück gelebter Inselkultur, das bei jeder selbst gemischten Poncha an die Atmosphäre Madeiras erinnert.
Poncha Rezept
Rezept zum Nachmachen, wo bei wir immer empfehlen einen frisch zubereiteten auf Madeira zu genießen
2 cl Orangensaft - frisch gepresster
2 cl Zitronensaft - frisch gepresster
1 Teelöffen Madeira Honig
3 bis 4 cl Madeira Rum - Aguardente de cana
Den Honig mit dem Caralhinho im Zitronensaft auflösen und durch drehen des Holzmixers zwischen den Händen mixen, bis der Saft schaumig wird.
Zuckerrohrschnaps hinzugeben.
Dann mit frisch gepresstem Orangensaft auffüllen und verrühren.
2 cl Orangensaft - frisch gepresster
2 cl Zitronensaft - frisch gepresster
1 Teelöffen Madeira Honig
3 bis 4 cl Madeira Rum - Aguardente de cana
Den Honig mit dem Caralhinho im Zitronensaft auflösen und durch drehen des Holzmixers zwischen den Händen mixen, bis der Saft schaumig wird.
Zuckerrohrschnaps hinzugeben.
Dann mit frisch gepresstem Orangensaft auffüllen und verrühren.
Madeira mit eigenen Augen erleben
Als Fotograf auf Madeira will ich mit meinen Bildern und Berichten die schönen Orte der Blumeninsel zeigen. Auch ist mir wichtig, besondere Menschen, ausgefallene Landschaften und schöne Erlebnisse Madeira Interessierten näher bringen, die diese Insel für mich so einzigartig und liebenswert machen!
Um individuell passende Hotels, Pauschalreisen, Flüge, Golfreisen und Mietwagen rund um Madeira anbieten zu können, nutze ich das Buchungssystem meines Partners Travianet – eines renommierten deutschen Reisebüros, das wie ich auch seit 1998 im Tourismus aktiv ist. Das erfahrene und geschulte Serviceteam ist an 365 Tagen im Jahr erreichbar und bietet Reiseangebote von mehr als 120 namhaften Veranstaltern, Reedereien und weiteren Reiseanbietern. So verbinden sich meine persönliche Madeira-Erfahrung, eine umfassende Reiseauswahl und professionelle Buchungsbetreuung.
Eine Buchung über meine Seiten unterstützt zugleich meine fotografische und redaktionelle Arbeit. Für erfolgreich vermittelte Reisen erhalte ich von meinem Reisepartner einen Werbekostenzuschuss. Dabei gilt weiterhin der jeweils angezeigte Reisepreis.
Jede Buchung trägt zur Entstehung weiterer unabhängiger Fotoreportagen über Madeira bei und bedeutet zugleich eine wertvolle Anerkennung meiner Arbeit.
Dafür danke ich von Herzen ❤️
Fotograf auf Madeira und Herausgeber
Stefan Kapust
www.madeira.photo
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